"Synergetisches" Wahrnehmen
Auch Naturwissenschaftler
haben längst erkannt, daß es keine objektive Wahrheit gibt, sondern
immer nur Aussagen im Gesamtkontext über die Annahme von Wirklichkeit.
Naturgesetze gelten deshalb auch immer nur im Kontext zu genau definierten Randbedingungen.
Der Beobachter
beeinflußt die von ihm beobachtete Wirklichkeit
Der Physiker Werner Heisenberg bekam
für seine Quantentheorie und die aus ihr abgeleitete Unschärferelation
1933 den Nobelpreis.
Sein dänischer Kollege Niels Bohr meinte dazu: Wer von der Quantentheorie
nicht schockiert ist, der hat sie nicht verstanden.
Oder mit den Worten
des Physikers David Bohn: Alles wird von allem durchdrungen. Die Wirklichkeit
ist ein unteilbares Ganzes.
In diesem Kontext wird vielleicht
auch schon der Ausspruch von Buddha transparent:
Die Krankheit
ist die Heilung der Krankheit
Doch dies führt hier zu weit.
Zurück
zur synergetischen Wahrnehmung mit praktischen Beispielen:
Der
Justizminister Steffen Heitmann (CDU) - fast wäre er unser Bundespräsident
geworden (auch wieder nur ein Symptom, mit der Möglichkeit der Interpretation
über den Ausdruck unserer Gesellschaft) - moniert einen laxen Umgang mit
der wachsenden Kinder- Und Jugendkriminalität. Unter der Überschrift
Keine Erziehung ohne Strafe gab er dem Fokus 14/1997 ein
Interview: Manchmal ist man heute offenbar der Auffassung, daß Milde
die beste Erziehung sei. Das halte ich für ein Irrtum. Erziehung ohne Strafe
ist nicht denkbar.
Natürlich ist eine Erziehung
ohne Strafe denkbar - als ob so etwas nicht gedacht werden könnte oder
dürfte (?), viele denken sogar so!
Er offentbart sich selbst in dieser Aussage. Korrekt müßte es heißen:
Erziehung ohne Strafe ist für mich nicht denkbar - damit würde
sein Anteil seiner privaten Innenwelt deutlicher sichtbar und ...peinlich. Wenn
er jetzt eine synergetische Innenweltreise machen würde, könnte er
sein Material und den Kontext für diese Aussage sehen. Wir
können so jedoch nur spekulieren: Wahrscheinlich ist er früher auch
geschlagen worden und findet dies gut usw..
Fazit: Jede Aussage beinhaltet
auch Informationen über den Aussagenden - der Beobachter ist auch in dem
zu beobachtenden enthalten und beeinflußt die Wirklichkeit. Denn diese
Aussage wird wieder aufgegriffen und zustimmend/ablehnend beantwortet usw.
Werden andere Aussagen zu anderen Themen im Vergleich genutzt, ergeben die Ausagen
ein deutlicheres Abbild der Hintergrundstruktur eines Menschen:
Heitmann wird in Fokus 38/1997 gefragt: Was ist außer den Geboten,
noch erhaltenswert?
Heitmann: Zum Beispiel die sogenannten Sekundärtugenden, etwa Zuverlässigkeit,
Treue, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit in der Ausübung seines Amtes.
Fokus: Der Kritisch-Aufgeklärte denkt jetzt sofort ans Dritte Reich.
Heitmann: Ja, diese Tugenden
sind wegen ihres möglichen Mißbrauchs maßlos diffamiert worden,
aber sie sind für das Funktionieren einer Gesellschaft unerläßlich,
und sie bleiben grundsätzlich positiv zu bewerten.
Werden persönliche Ausagen nicht
auch im persönlichen Kontext gesehen, besteht die Gefahr, das sie als objektive
Aussagen über eine fiktive Wirklichkeit angesehen werden. D.h.
sie werden dadurch in den Status von unfehlbarer Wahrheit gehoben und entwickeln
Zwangscharakter für alle Beteiligten. Hermann Haken nennt diesen Vorgang:
Die Ordnungsparameter versklaven die Beteiligten.Findet sich eine allgemeine
Übereinstimmung entsteht eine Norm und ein Selbstorganisationsprozeß
mit definiertem Inhalt entsteht. Ein extremes Beispiel war das dritte Reich.
In dem Ausspruch von Hermann Göring: Das Recht und der Wille des
Führers sind eins, kommt dies besonders deutlich in die Sichtbarkeit.
Nicht die Diktatoren schaffen Diktaturen, sondern die Herden, meinte Georges
Bernanos. Eine Struktur entsteht immer aus einem Selbstorganisationsprozeß
und kleine Fluktationen haben ausschlaggebende Wirkung. Die Symptome
sind immer nur der Ausdruck des komplexen Hintergrundes. Bernhard Shaw meinte
es in diesem Sinne ganz pragmatisch: Die Demokratie ist ein Verfahren,
das garantiert, daß wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.
Doch zurück zum Beispiel Heitmann.
Natürlich wissen wir unterschwellig, daß die Aussagen von Heitmann
im Fokus nur seine Meinung ist - ohne große Bedrohung für uns. Doch
fast wäre er unser Bundespräsident geworden und sein Einfluß
gestiegen. Und wenn Meinung als nahezu allgemeingültig angesehen wird,
weil sie vielleicht gut dargestellt wird, - glaubt man sie als Wahrheit
zu erkennen. In der Geschichte der Medizin gab es viele Meinungen im Zeitkontext,
die für Richtig gehalten wurden und wenn wir sie aus unserer
heutigen Sichtweise wahrnehmen, erscheinen sie uns geradezu krotesk. Dies ist
uns nur deshalb möglich, weil unser Background - unser Kontext
so verschieden zu der damaligen Zeit ist.
Wir halten z.B. die Chemotherapie heute für die wichtigste Therapieform
im Kampf gegen den Krebs und eine Generation später werden unsere Kinder
dies nicht mehr nachvollziehen können. Ihnen stehen andere zusätzliche
Informationen zur Verfügung, aus denen heraus eine erneute Beurteilung
völlig anders aussieht.
Man könnte mit Heitmann über
den Inhalt diskutieren, der wurde bis jetzt nicht von mir bewertet. Er hat natürlich
auch eine Wichtigkeit im Ringen um optimale Strukturen und die Aufmerksamkeit
des Zuhörers gilt normalerweise hauptsächlich dem Inhaltsaspekt. Aus
den Erfahrungen der Einzelsitzungen und der Hintergrundaufarbeitung von Krankheiten
läßt sich generell eine Pauschale - wahrscheinlich für viele
sehr überraschende - Aussage treffen:
Krankheiten entstehen überwiegend
aus unverarbeiteten Erfahrungen/Prägungen der Kindheit, wobei eine strenge
Erziehung und die Unterdrückung von Lebendigkeit ausschlaggebend
waren und zu Handlungsunsicherheit dem Leben gegenüber führten.
Heitmann wurde vom Fokus gefragt:
Wenn sie Bilder von der Berliner Love Parade sehen, empfinden Sie da Aversionen
oder ist das okay? Heitmann: Ich finde das scheußlich und
überflüssig...
Jetzt wird das Bild von Heitmann deutlicher, da auch der Fokus eine persönliche
Frage gestellt hat. (Eine Aversion vor Lebendigkeit...usw.).
Psychologen würden dies jetzt nach dem herrschenden Weltbild interpretieren
oder auch Heitmanns Körpersprache analysieren usw..
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Ein weiteres Beispiel:
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Mir geht es in diesem Beispiel nicht
darum, über Heitmann ein Werturteil abzugeben, ich habe ihn nur genutzt,
um an seinem Beispiel die Sichtweise der Synergetik zu erkären. In der
Synergetik Therapie geht es nie darum, Urteile abzugeben, sondern innere
Wirklichkeit sichtbar zu machen, damit der Betroffene sie in eigener Verantwortung
selbst abändern kann. Dafür gibt es keine Normen. Jeder darf so sein,
wie er sich selbst gegenüber verantworten kann. Natürlich gibt es
auch wichtige verbindliche Orientierungen, so darf z.B. niemand
in einem vollbesetzten Konzertsaal Feuer brüllen. Psychologen
hinterfragen üblicherweise allgemeinverbindliche Sichtweisen und Werthaltungen
und bewerten diese im Kontext, z.B. wie man sich am besten darstellt, bewirbt,
eine gute Beziehung führt... usw.. Dies ist nicht das Arbeitsgebiet der
synergetischen Sichtweise, denn wie sagte mal jemand über Psychologen:
...ein Mann, der in eine Striptease-Show geht, um sich die Gäste
anzuschauen.
Die Synergetik Therapie ist keine
Psychologie, sondern eine aus der Selbsterfahrungsbewegung hervorgegangene Therapieform,
die dem Einzelnen hilft, sich selbst zu erkennen und sich aus den Zwangsjacken
- sogar von eigenen Krankheits-Zwangsjacken - zu befreien, um gemäß
eigener Verantwortung nach eigenem Gewissen selbst sein Leben zu gestalten -
mit allen Konsequenzen.
Dies ist nach C.G. Jung im Individuationsprozeß der Psyche sogar deterministisch
vorgesehen.
Der Mensch ist zu Freiheit verurteilt, meinte Sartre in der Kritik
der dialektischen Vernunft.
Ein
weiteres Beispiel:
Es geht wiederum nicht um die inhaltliche Beurteilung - um den Inhaltsaspekt
- sondern in diesem Beispiel offenbaren sich verschiedene Grundhaltungen der
Wirklichkeit gegenüber und sagen über die Beteiligten viel aus.
Verbote verbessern nie die Welt, sondern drücken nur die potentielle
Wirklichkeit in den Untergrund - in den Schatten.
Die Auseinandersetzung als Prozeß ist sehr wichtig, das Aufeinanderprallen
verschiedener Meinungen für einen Selbstorganisationsprozeß entscheidend,
deshalb ist unabdingbar die freie und direkte Meinungsäußerung als
Randbedingung sehr wichtig.
In den Einzelsitzungen ist es daher auch sehr wichtig, durch direkte Konfrontation
mit den inneren Anteilen einen Selbstorganisationsprozeß auszulösen,
denn nur er verändert die Informationsmuster und damit die innere
Wirklichkeit hin zu einer höheren Ordnung. Das Ziel muß
nie erzwungen werden, sondern stellt sich von selbst ein. Dies ist immer der
unglaublichste Effekt der Veränderungsarbeit.
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MORAL:
Hessisches Frauenministerium ruft Deutschen Werberat wegen einer Anzeige der schweizerischen Firma No Comment an. Ein Streit um Strümpfe entzweit die Gemüter Unweigerlich wird eine sexuelle Beziehung zwischen einer Frau und einem kleinen Jungen assoziiert. Mit dieser Begründung adressierte die Abteilung Frauenpolitik im Hessischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales eine Beschwerde an den Deutschen Werberat. Objekt der Reklamation war eine Anzeige des Strumpfherstellers No Comment aus dem schweizerischen Stans. Die Anzeige, bei der eine mit einer Strumpfhose bekleidete Frau einen kleinen Jungen an sich schmiegt, sei angesichts des mehr und mehr zunehmenden Mißbrauchs von Kindern und Jugendlichen und erzwungener Kinderprostitution verantwortungslos. Die Beschwerde, die sich auf eine Veröffentlichung in der Zeitschrift Elle bezieht, soll nun vom Werberat begutachtet und beurteilt werden. Erstaunt über die Beschwerde, zeigte man sich sowohl bei No Comment, als auch bei der verantwortlichen Münchener Agentur Comma Communications: -,,Für uns ist es unerklärlich, wie man auf solche Gedanken kommen kann" wundert sich Comma-Inhaber Hans-Günther Textor. Für ihn scheint klar, daß hier mit aller Gewalt etwas gesucht worden sei. Harte Worte für die ministerielle Beschwerdeaktion fand auch ZAW-Sprecher Volker Nickel: Ich halte dies für eine hysterische Reaktion eines Ministeriums und frage mich, welche Vorstellungen in der politischen Exekutive über das Mutter-Kind-Verhältnis herrschen. Hat man dort keine anderen Sorgen? Die behördliche Maßnahme scheint in Nickels Augen völlig überflüssig: Für solchen Unfug geben wir Steuergelder aus, daß sich Leute in dieser Weise beschäftigen, moniert der ZAW-Sprecher. |
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